Die Hälfte fragt schon die KI.
Wer heute einen Grafikdesigner, einen Caravan-Händler oder eine Druckerei sucht, tippt das nicht mehr nur bei Google ein. 50 Prozent der Internetnutzer in Deutschland nutzen zumindest gelegentlich KI-Chats wie ChatGPT, Gemini oder Copilot statt einer klassischen Suchmaschine. Bei den 16- bis 29-Jährigen sind es zwei Drittel. Das hat der Digitalverband Bitkom im November 2025 ermittelt.
Die Unternehmen reagieren. In einer Umfrage von LinkedIn unter 585 Marketingverantwortlichen in Deutschland planen 47 Prozent, mehr Geld in ihre Sichtbarkeit in KI-Antworten zu stecken. Die Fachbegriffe dafür sind Generative Engine Optimization (GEO) und Answer Engine Optimization (AEO).
Viele setzen das Geld falsch ein. Sie greifen zum naheliegenden Werkzeug und lassen die KI selbst Texte produzieren, zehn Blogartikel im Monat statt einem. Das bringt sie nicht in die Antworten.
Warum Masse nicht funktioniert
Business Insider nennt in seinem Bericht zur Umfrage zwei typische Denkfehler. Der erste: zu glauben, klassisches SEO reiche aus, um in KI-Antworten genannt zu werden. Der zweite: große Mengen KI-generierter Inhalte zu veröffentlichen und zu hoffen, dass die Masse wirkt.
Das deckt sich mit meiner Erfahrung. Ein Text, den eine KI aus dem allgemeinen Wissen im Netz zusammensetzt, enthält nichts, was es nicht schon gibt. Für ein Sprachmodell ist so ein Text eine Kopie von vielen. Es gibt keinen Grund, ausgerechnet ihn zu zitieren.
Dazu kommt das Vertrauen. 72 Prozent der befragten Marketingverantwortlichen gehen davon aus, dass Verbraucher menschlicher Expertise mehr vertrauen als KI-generierten Inhalten. 70 Prozent halten Glaubwürdigkeit inzwischen für wichtiger als reine Sichtbarkeit. Wer seine Website mit austauschbaren Texten füllt, verliert also doppelt: bei der KI und beim Menschen, der am Ende entscheidet.
Laut Bitkom haben 42 Prozent der Nutzer schon falsche Antworten von einer KI bekommen, 57 Prozent prüfen die Ergebnisse. Wer prüft, klickt auf die genannten Quellen. Spätestens dort muss deine Seite überzeugen.
Was KI-Systeme zitieren
KI-Systeme suchen Antworten, die sie belegen können. Sie greifen dafür nicht nur auf Unternehmensseiten zurück. Laut dem Bericht von Business Insider tauchen unabhängige Quellen wie Fachmedien, Verbände, Fachportale und Communities in KI-Antworten oft stabiler auf als die Websites der Unternehmen selbst.
Viele Firmenseiten haben dasselbe Problem: Sie reden viel über das Unternehmen und bleiben trotzdem vage. Ein Satz wie „Wir bieten innovative Lösungen für Ihre Kommunikation“ hilft weder einem Kunden noch einer KI. Ein Satz wie „Ich bereite Druckdaten für Offset-, Digital- und Großformatdruck auf, inklusive Preflight und Farbmanagement“ hilft beiden.
Für kleine und mittlere Unternehmen ist das eine gute Nachricht. Du musst nicht mit dem Budget großer Marken mithalten. Du brauchst etwas, das du ohnehin hast: echtes Fachwissen aus deiner täglichen Arbeit.
Google blendet seit März 2025 auch in Deutschland KI-Zusammenfassungen über den Treffern ein, offiziell „Übersicht mit KI“, englisch AI Overviews. Wie oft das passiert, gibt Google nicht an. SISTRIX hat über 100 Millionen Keywords ausgewertet und findet die Übersicht bei rund 20 Prozent. Die Rate schwankt aber je nach untersuchtem Keyword-Set stark, weil Google die Auslöser laufend anpasst.
Ob eine Übersicht erscheint, hängt vor allem von der Art der Suche ab:
- Bei Ratgeberfragen („Wie funktioniert …?“), Produktvergleichen und längeren Recherchen erscheint sie oft.
- Bei Navigationssuchen wie „Facebook Login“ oder sehr einfachen Begriffen erscheint sie in der Regel nicht.
Ratgeber- und Vergleichsfragen stellen auch Kunden, bevor sie einen Anbieter auswählen. Wer dort als Quelle auftaucht, wird gesehen, bevor der erste klassische Treffer überhaupt im Blick ist.
Was du konkret tun kannst
Schreib auf, was nur du weißt
Der Caravan-Händler weiß, welche Fragen Kunden beim dritten Besuch stellen. Die Druckerei weiß, an welchen Fehlern Druckdaten am häufigsten scheitern. Die Agentur weiß, warum Rebrandings im Mittelstand ins Stocken geraten. Genau dieses Wissen fehlt in den allgemeinen Texten im Netz. Schreib es auf, mit Beispielen, Zahlen und eigener Einschätzung. KI darf dir dabei helfen, beim Gliedern oder Korrekturlesen. Das Wissen muss von dir kommen.
Sag konkret, was du anbietest
Prüf deine Leistungsseiten mit einer einfachen Frage: Könnte ein Fremder nach dem Lesen in einem Satz sagen, was du machst, für wen und wo? Wenn nicht, wird es auch eine KI nicht können. Nenn Leistungen, Branchen, Region und, wo möglich, Preisrahmen. Konkrete Angaben sind das, was eine KI in eine Antwort übernehmen kann.
Bau Seiten, die Maschinen lesen können
Ohne saubere Technik geht es nicht, sie allein reicht aber auch nicht. Dazu gehören klare Überschriften, eine kurze Zusammenfassung am Anfang, Alt-Texte für Bilder und Transkripte für Videos. Wichtige Inhalte gehören als HTML auf die Seite. Ein PDF mit deinem Leistungskatalog ist für viele KI-Systeme schwerer auszuwerten. Eine FAQ mit echten Kundenfragen ist ideal, weil KI-Systeme genau in diesem Frage-Antwort-Format antworten.
Lass KI-Crawler auf deine Seite
Viele Websites sperren KI-Crawler, ohne es zu wissen, über die Datei robots.txt oder Einstellungen im Hosting. Prüf, ob GPTBot (OpenAI), PerplexityBot und ClaudeBot (Anthropic) deine Seite lesen dürfen. Ergänzend kannst du eine llms.txt anlegen: eine kurze Textdatei, die zusammenfasst, wer du bist und was du anbietest. Ob alle KI-Anbieter sie auswerten, ist nicht belegt. Angelegt ist sie in einer Stunde.
Sei auch außerhalb deiner Website präsent
Wenn unabhängige Quellen in KI-Antworten so stark vertreten sind, zählt deine Präsenz dort. Ein Fachbeitrag in einem Branchenmedium, ein Eintrag beim Verband, ein Interview, regelmäßige Beiträge auf LinkedIn. All das bestätigt einer KI, dass dein Name zu deinem Thema gehört.
Ein Beispiel: vorher und nachher
Wie groß der Unterschied ist, zeigt ein erfundenes, aber typisches Beispiel. Ein Wohnmobilhändler aus dem Rheinland beschreibt sich auf seiner Website so:
Vorher: „Wir sind Ihr kompetenter Partner rund ums Reisemobil. Mit Leidenschaft und Erfahrung begleiten wir Sie auf dem Weg zu Ihrem Traumfahrzeug.“
Fragt jemand ChatGPT „Wo kann ich in der Nähe von Köln einen Kastenwagen mit Querbett probefahren?“, findet die KI in diesem Text nichts, was sie verwenden kann. Kein Ort, keine Fahrzeugart, kein Angebot.
Dieselbe Seite, konkret formuliert:
Nachher: „Wir verkaufen Kastenwagen und teilintegrierte Reisemobile in Bergheim, 25 Kilometer westlich von Köln. Rund 40 Fahrzeuge stehen zur Probefahrt bereit, darunter Modelle mit Querbett und Längsbetten. Werkstatt und Gasprüfung im Haus. Probefahrten nach Termin, auch samstags.“
Dieser Text beantwortet die Frage des Kunden direkt. Er nennt Ort, Fahrzeugtypen, Grundrisse und Service. Genau solche Angaben übernimmt eine KI in ihre Antwort, und genau solche Angaben überzeugen auch den Menschen, der die Seite liest.
Dafür braucht es meist keine neue Website. Oft reicht ein ehrlicher Blick auf die vorhandenen Texte. Bei den meisten Unternehmen, mit denen ich arbeite, stecken die konkreten Informationen längst in Prospekten, Angeboten oder im Kopf der Mitarbeiter. Sie stehen nur nicht auf der Website.
So habe ich olivermevis.de vorbereitet
Ich habe meine eigene Website 2026 für KI-Systeme vorbereitet. Die wichtigsten Schritte:
- Die
robots.txterlaubt ausdrücklich GPTBot, ChatGPT-User, PerplexityBot und ClaudeBot. - Eine
llms.txtfasst Leistungen, Zielgruppen und Arbeitsweise in Klartext zusammen. - Leistungsseiten und Blogartikel haben strukturierte Daten (Schema.org), die Artikel zusätzlich FAQs mit echten Fragen.
- Der Blog behandelt Themen aus meiner Praxis: Druckdaten richtig liefern, Reinzeichnung, KI im Grafikdesign.
Eine ehrliche Einschränkung: Wie oft eine Seite in KI-Antworten auftaucht, lässt sich bisher schwer vorhersagen. Antworten ändern sich je nach Frage, Modell und Kontext.
Messen lässt sich dagegen inzwischen einiges. Die Google Search Console hat seit 2026 einen eigenen Bericht für generative KI. Er zeigt, wie oft und mit welchen Seiten eine Website in den Übersichten mit KI und im KI-Modus erschienen ist. Die Bing Webmaster Tools zeigen im Bericht „AI Performance“, welche Seiten Microsoft Copilot und die KI-Zusammenfassungen von Bing zitieren. Dazu kommen spezialisierte Tools. Sie stellen ChatGPT, Gemini, Perplexity und anderen KI-Systemen regelmäßig typische Fragen und werten aus, wie oft eine Marke genannt oder als Quelle zitiert wird. Beispiele sind das AI Visibility Toolkit von Semrush, Brand Radar von Ahrefs, SE Ranking, HubSpot AEO und appariq.ai. Die Werte beruhen auf ausgewählten Fragen und sind deshalb Näherungen, keine exakten Messungen.
Eine Search Console wie bei Google oder Microsoft Bing gibt es für ChatGPT selbst nicht. Agenturen arbeiten deshalb mit neuen Kennzahlen wie dem Anteil an Markennennungen im Vergleich zum Wettbewerb. Belastbare Standards fehlen noch. Wer dir garantierte Nennungen in ChatGPT-Antworten verspricht, verspricht mehr, als heute jemand halten kann.
Was ich sicher sagen kann: Die Maßnahmen helfen auch bei Google und machen die Website für Besucher klarer. Wenn du darüber nachdenkst, wie du KI in deine Prozesse einbaust, ist das ein guter erster Schritt mit wenig Risiko.
Quellen: Bitkom, November 2025 · Business Insider, 9. Oktober 2026 (LinkedIn-Umfrage unter 585 Marketingverantwortlichen, August 2026) · SISTRIX zu Google AI Overviews · Google Search Central, Juni 2026 · Bing Webmaster Blog, Februar 2026